|
Home Office - ein Auslaufmodell?
Der Siegeszug der Heimarbeit erhält einen Dämpfer: Ausgerechnet die Chefin des trendigen Internetunternehmens Yahoo, Marissa Mayer, sorgt für eine Rolle rückwärts bei der Flexibilisierung der Arbeit: Von Juni an ist das im Betrieb weitverbreitete „Home Office" Geschichte, die knapp 12 000 Yahoo-Mitarbeiter haben sich wieder im Büro einzufinden. Der Grund: Geschwindigkeit und Qualität leiden, wenn von zu Hause aus gearbeitet wird. Yahoo ist in heller Aufruhr, der radikale Umschwung provoziert Fürspruch und Ablehnung - auch bei uns.
Ja! Am besten läuft es in der Kantine: Wenn man da ganz ungezwungen in gemischter Besetzung zusammensitzt, kommen die genialsten Ideen. Absurd, auf welche Einfälle die Kollegen kommen, während man sich selbst schon tagelang im Kreis dreht. Ein kurzes Stichwort, ein nachdenkliches Stochern im halb verwelkten Salat, und die Maschinerie kommt in Gang: „Haste das schon gehört?", „da gab es doch letztens folgende Geschichte...", „ich hab schon mal..." - und plötzlich sieht man klarer. Die kleinen Erfolgsgeschichten des Büroalltags sind die Antworten auf Fragen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie sich stellt. Oder stellen sollte. Und der schöne Nebeneffekt: An solch lockeren Plauderrunden kann später niemand sein Urheberrecht geltend machen. Das Ergebnis gehört allen, und jeder war irgendwie dabei. Ganz nebenbei erfährt man von Hobbys, von denen man noch nicht mal zu träumen wagte, Essgewohnheiten, die man dem zurückhaltenden Kollegen nie zugetraut hatte, und Gepflogenheiten, die man vielleicht auch mal ausprobieren sollte. Zu Hause in den eigenen vier Wänden ist Google dein bester Freund. Oder Xing und Facebook. Nichts gegen den digitalen Fortschritt mit seinen unzähligen Annehmlichkeiten, aber die Idee für soziale Netzwerke wurde ja nun auch nicht mit Hilfe einer Suchmaschine geboren. Geniale Einfälle bringen sie mir jedenfalls nicht. Da kann man sich stundenlang darin verlieren, was sich ein x-beliebiger Nutzer zu einem Thema von der Seele geschrieben hat. Ja, und? Unzählige Medienerzeugnisse - und solche, die es sein wollen - vernebeln das Bild, anstatt Klarheit zu schaffen. Sind die Gedanken blockiert, holt man sich lieber erst mal eine Tasse Kaffee, das ist zu Hause auch nicht anders als im Büro. Doch auf geistigen Input stößt man auch dort nicht, nur das Dampfen und Zischen der Kaffeemaschine durchbricht die Stille. Produktivität sieht anders aus. Zugegeben: Die Arbeit von zu Hause mag wunderbar praktisch sein und den eigenen Bedürfnissen und denen des anspruchsvollen Nachwuchses sehr entgegenkommen. Außerdem geht es manchmal schlicht nicht anders. Aber es bleibt dabei: Sie ist eher Kompromiss als der Idealzustand - und der sollte bitte schön die Ausnahme bleiben. Der Mensch ist und bleibt ein Herdentier. Dabei geht es gar nicht darum, den Büroalltag mit all seinen Unzulänglichkeiten zu verklären. Auseinandersetzungen um Kleinigkeiten, motzende Kollegen können die größte Innovations-Bremse sein. Außerdem sollte man nicht so tun, als wäre jeder Besuch in der Kaffeeküche ein Sieg der Kreativität. Der überwiegende Teil der Gespräche ist an Banalität kaum zu überbieten. Bei unbeholfenen Gesprächen über das Wetter kann von Aufbruchstimmung beim besten Willen nicht die Rede sein. Und so manches Brainstorming ist schon in die Hose gegangen. Reine Zeitverschwendung, was hätte man in der Zeit alles erledigen können. Die Kreativität treibt nur selten Blüten, aber dann sind sie wahrlich hübsch anzusehen. Doch wahr ist auch, dass sich Kreativitätsschübe nun einmal nicht planen lassen. Deshalb muss man die Gelegenheit suchen, so oft sie sich bietet - und das geschieht häufiger in der Kantine als in den eigenen vier Wänden. Nein! Können Tausende junge Menschen irren? Ist die Generation Y mit ihrem Wunsch nach Flexibilität auf dem Holzweg? Sind die Personaler alten Schlages die Avantgarde von morgen, hält die Sitzprämie wieder Einzug in die Unternehmenslandschaft, steht das „from-nine-to-five"-Prinzip vor einer neuen Blüte? An dieser Stelle ein klares Nein! Die deutsche Arbeitswelt wandelt sich von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft und damit spielt der Arbeitsort in vielen Unternehmen eine zunehmend geringere Rolle. Natürlich wird es wichtig bleiben, dass die Monteure eines neuen Autos zur selben Zeit am selben Ort dieselbe Schicht beginnen. Aber wann und wo ein Programmierer eine neue Software entwickelt oder die Buchhaltung erledigt wird, spielt keine Rolle mehr - Hauptsache das Ergebnis stimmt. Begriffe wie Home Office oder noch besser Telearbeit klingen zwar schon ein wenig nach Mottenkiste, doch an der Tatsache, dass Arbeitnehmer zunehmend ein Wörtchen bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen mitreden werden, führt kein Weg dran vorbei. Und mal ehrlich: Wer zieht nicht die Ruhe der heimischen vier Wände einem lärmenden Großraumbüro vor? Wer kann sich nicht besser bei einer Tasse selbstgekochtem Kaffee oder Tee aus der Lieblingstasse auf der heimischen Couch konzentrieren, als neben dem permanent klingelnden Diensttelefon im Büro? Wenn morgens schon aufgeregte Kollegen ins Zimmer stürmen, jeder mit dem wichtigsten Anliegen der Welt, das sich in 90 Prozent der Fälle bis zum Nachmittag von selbst erledigt hat? Eine besonders effiziente Variante des Home Office ist deshalb das Mobile Office, geeignet hierfür sind in erster Linie die ICE der Deutschen Bahn. Als Erwiderung auf Anrufe, die mit Worten beginnen wie "Wir müssen jetzt unbedingt mal...", reicht in der Regel schon der Hinweis „ich bin im Zug, das Netz ist leider schlecht" um den Störenfried zu disziplinieren und auf das Nötigste zu beschränken. Den Rest morgen. Damit das Home Office auch funktioniert, müssen natürlich ein paar wichtige Spielregeln eingehalten werden. Der Heimarbeiter braucht während der Schaffenszeit seine Ruhe, was vor allem von lärmenden Familienmitgliedern - falls vorhanden - zu beachten ist. Am besten ist ein separates Rückzugsgebiet, um privat und dienstlich bei Bedarf trennen zu können. Denn auch wenn abends, nachdem Kinder ins Bett gebracht und Haustiere versorgt sind, noch eine Spätschicht eingelegt wird, heißt Home Office nicht Selbstausbeutung bis zum Kollaps. Es muss nicht mehr gearbeitet werden als im Büro, sondern effizienter. Aufgaben dann erledigen, wenn sie sich am besten in den Rest des Tages integrieren lassen. Ruhephasen zwischendurch sind deshalb von entscheidender Bedeutung. Mittags mal eben zum Sport, die Kinder entspannt zur Musikschule fahren oder endlich mal zu Hause sein, denn der Mann von den Stadtwerken kommt und nicht schon wieder den Schlüssel zum Rentner im ersten Stock bringen müssen - das entschleunigt. Und wem die Decke auf den Kopf fällt, sollte zum regelmäßigen Meeting ein-, zweimal die Woche in der Firma erscheinen. „Home Office" sollte schließlich bedeuten, die Möglichkeit zu mehr Flexibilität zu haben - nicht die Isolation in der Cyber-Belegschaft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2./3. März 2013
Klimawende im Büro Die Kölner Büromöbelmesse Orgatec stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Das Büro der Zukunft wird grün sein. Das legen zumindest die Ergebnisse der Studie "Green Office" des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation nahe. 77 Prozent der befragten Büroarbeiter stuften das Thema Nachhaltigkeit im Büro als "wichtig" oder "eher wichtig" ein. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Report des Ludwigshafener Instituts für Beschäftigung und Employability, in dem sich immerhin 38,5 Prozent der befragten Führungskräfte für "eine nachhaltige Unternehmenskultur" einsetzen wollen, heißt es in dem Papier, das auf der vor einer Woche zu Ende gegangenen Kölner Büromesse Orgatec vorgestellt wurde. Dazu gehört es, schonend mit Ressourcen wie Papier umzugehen. „An rund 17 Millionen Büroarbeitsplätzen in Deutschland wird im Jahr so viel DIN-A-4-Papier verbraucht, dass es als Papierband von einem Meter Breite rund 250 Mal um den Äquator gelegt werden könnte", sagt Dieter Brübach, Vorstand des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management. Papier sei nicht das einzige Umweltproblem: Außer 55 Millionen Tonerpatronen verwenden die Deutschen jährlich auch acht Millionen Tonerkartuschen. Das meiste davon lande im Müll. Zeit also für eine ökologische Wende im Büro. Hammerbacher ist eines der Unternehmen, die sich für eine nachhaltige Waldwirtschaft einsetzen. Die Firma verarbeitet für Spanplattentische nur Holz, das in Deutschland oder Mitteleuropa geschlagen und unter sozial verträglichen Bedingungen verarbeitet wurde. Die umweltschonende Produktion sei zwar fünf bis sieben Prozent teurer als die konventionelle, verringere aber Transporte und mindere so die CO2-Emissionen, so Geschäftsführer Bernhard Hammerbacher auf der Orgatec. Für den ökologischen Einsatz wurde sein Unternehmen mit dem Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) ausgezeichnet, hinter dem Umweltverbände wie Greenpeace stehen. Auch andere Firmen haben das Thema Umwelt für sich entdeckt. Sedus verzichtet etwa auf giftige Klebstoffe in seinen Möbeln, Stuhlproduzent Climatex stellt hybride Stoffe vor, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. Umweltschonende Möbelherstellung ist ein Trend. Auf der Orgatec ging es auch um die künftige Arbeitswelt. Kommunikativer und durch mehr Projektarbeit gekennzeichnet soll sie werden, haben die Autoren der „New Work Order"-Studie des Trendbüros Hamburg in Telefonaten mit 6000 deutschen Unternehmen herausgefunden. So berichten 75 Prozent der Firmen, dass die Kommunikation in den vergangenen Jahren merklich gestiegen sei. 61 Prozent der Firmen setzen verstärkt auf Projektarbeit. Das schlägt sich in der Raumaufteilung nieder. Großraumbüros sind ebenso passé wie Zellenräume. „Die Büros der Zukunft müssen offen, kommunikativ, mit Rückzugszonen für konzentriertes Arbeiten, mit unterschiedlichen Raumtypen für differenzierte Arbeitsaufgaben gestaltet sein", schreibt die Unternehmensberatung Titze im Trendbericht „Der Markt für Büromöbel in Deutschland bis 2020". „Die Bürolandschaft ist in ständiger Bewegung", meint auch Andreas Dober, Geschäftsführer von Burkhardt Leitner constructiv. Mit verstellbaren Trennwänden sei es da nicht getan. Dober setzt da lieber gleich auf das komplett mobile Büro. Sein Glaskasten ist 2,4 Meter breit, 3,6 Meter lang, 800 Kilogramm schwer und kostet 14 000 Euro. Auf Rollen kann das mobile Büro von zwei bis drei Mitarbeitern dorthin gebracht werden, wo es gebraucht wird. Das Konzept flexibler Arbeitsplätze könnte ein erster Schritt in eine Bürozukunft sein, wie sie sich Lorenz Kramer vorstellt. Der Mann von Bayer Material Science glaubt, dass das herkömmliche Büro im Jahr 2030 ausgedient hat. „Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, in der es immer mehr individuelle Kreativarbeiter geben wird, die ihre eigene Marke sein werden." Künftig würden Firmen seltener an einem Standort produzieren, sondern Spezialisten für Projekte zusammenrufen. Für diese könnten dann mitunter auch eigene Büros gebaut werden, die sich nach Projektende wieder abbauen ließen. „Das klingt abstrakt", räumt Kramer ein, „funktioniert aber so ähnlich bei den Olympischen Spielen. Die Olympischen Dörfer werden ja auch nur für ein einmaliges Ereignis aufgebaut." Die Einmalbauten sollten aber aus recycelbaren Komponenten bestehen. Sonst wäre die Zukunft des Büros nicht grün. Frankfurter Rundschau, 10./11.11.2012
Büroräume stündlich lüften Frischer Sauerstoff fördert die Leistungsfähigkeit. Um sich besser konzentrieren zu können, sollten Arbeitnehmer im Büro stündlich lüften. "Fünf Minuten Stoßlüften sind im Herbst ideal", sagt Kersten Bux von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. In dieser Zeit werde genug Luft ausgetauscht - gleichzeitig kühle der Raum nicht zu stark aus. Denn unter 20 Grad sollte die Temperatur am Arbeitsplatz nicht sinken. Angenehmer sind 22 Grad. Im Winter reiche es aus, jede Stunde nur zwei bis drei Minuten die Fenster weit aufzumachen. Sonst werde es am Arbeitsplatz schnell zu kalt. Vertragen Kollegen die kalte Luft von draußen nicht, könnten Angestellte statt der Fenster die Tür zum Gang öffnen. Zugluft sollten Arbeitnehmer vermeiden - die Fenster sollten daher nicht permanent gekippt offen sein. Zugluft kann zu Nackenschmerzen führen, weil die nicht durch Kleidung verdeckten Partien wie der Nacken leicht auskühlen. Hanauer Anzeiger, 13.10.2012
Die Generation Y bevorzugt feste Arbeitsplätze
Wer Flächenoptimierung nur als Arbeitsplatzverdichtung denken kann, hat schon verloren. Wer meint, die höchst mobile und technikaffine Generation Y verzichte liebend gern auf einen persönlichen Arbeitsplatz, der irrt. Wer nicht glaubt, dass in einem Gastronomiekonzept die Kommunikationsmöglichkeiten hohe Priorität haben, muss dazulernen. Moderne Bürolandschaften standen im Mittelpunkt einer Reihe von Vorträgen des Atga-Kongresses 2012 in Laxenburg bei Wien. Dieter Lorenz, Arbeitswissenschaftler und Büroplanungsexperte an der Technischen Hochschule Mittelhessen, provozierte sein Publikum. Er rechnete den zum Facility-Kongress der Atga (Akademie für Technische Gebäudeausrüstung) gekommenen Facility-Managern und Immobilienverantwortlichen vor, dass im Normalfall jede vermeintlich kostensenkende Flächenverdichtung am Ende höhere Kosten verursacht. Wer pro Beschäftigtem (Monatsgehalt: 4.000 Euro) 5 m² von 25 m² Mietfläche einspart, dafür aber rund10% weniger Leistung einkalkulieren muss, der zahlt gut 5.600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr drauf. Arbeitsmotivation, Produktivität und Identifikation mit dem Unternehmen hängen sehr stark von der unmittelbaren Arbeitsumgebung ab. Unter dem Motto „Wertschöpfung schlägt Fläche" plädierte Lorenz für eine eher großzügige, jeweils speziellen Bedürfnissen (intensives Arbeiten, Kommunikation, Ruhe, Team, Projektarbeit usw.) gerecht werdende Flächenbereitstellung. Nur so seien die für Unternehmen überlebensnotwendig werdende Faktoren Kommunikation, Wissenstransfer und Innovation zu gewährleisten. Lorenz verwies in diesem Zusammenhang auf Umfrage- und Studienergebnisse (DEGW, Johnson Controls), die beispielsweise zeigen, dass die in diesen Jahren ins Berufsleben tretende Generation Y (Höchstalter 28 Jahre) sich ein kreatives Umfeld, modernste Technik, Zusammenarbeit wünscht - aber auch „einen eigenen festen Arbeitsplatz und die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung des Arbeitsplatzes". Eine Minderheit (8%) bevorzugt Desksharing bzw. nonterritoriale Arbeitsplätze. Wer den Arbeitsplatzwünschen und damit verbundenen Mitarbeiterbedürfnissen nicht gerecht wird, bekommt die Rechnung serviert. Eine Gallup-Studie (2011) besagt, dass nur 14% der Büroarbeiter „eine hohe emotionale Bindung zum Arbeitsplatz" haben, 63% eine „geringe" und eine im vergangenen Jahrzehnt gewachsene Gruppe (23%) „keine emotionale Bindung" hat. Ein Resultat: Die erstgenannte Gruppe weist 41% weniger Fehltage auf als die letztgenannte. Wer emotional stark an den Arbeitsplatz gebunden ist, ist mehr als doppelt so innovativ wie derjenige ohne Bindung. 81% der ersten Gruppe würden ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen, 94% empfehlen die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens weiter. Ein Vorteil im Kamp um die besten Köpfe und den Profit. Dass jede weitgehende Veränderung der Arbeitsumgebung Emotionen weckt, machten Siemens-Immobilienmanagerin Arlett Daberkow und Berater Thomas Turner deutlich. Erfordernisse und Wege des Changemanagements waren ihr Thema. Sie illustrierten den Widerstreit „Kostenoptimierung versus Innovation" und erläuterten, wie beides zusammen unternehmerischen Profit generieren kann. Sie zeigten anhand konkreter Veränderungsprozesse auch, wie „alte Gewohnheiten erfolgreich in neue Systeme überführt" werden können. Die Schweiz - ein Dorado für moderne Bürokonzepte? Offenbar ja. Nicht nur Kraft Foods („Smart Working als Wertschöpfungsfaktor", IZ 27/12, S. 18) kann ins Feld geführt werden. Daberkow und Turner illustrierten ihren Vortrag mit Impressionen der Google-Zentrale in Zürich. Und ein anderer Referent, Andreas Meister vom Baseler Beratungsteam Move, erwähnte den dort entstehenden Novartis Campus. Meister beharrt darauf, dass auch die prächtigste „Immobilie nur Mittel zum Zweck" sein kann, aber genau deshalb „als Ressource flexibel sein muss". Er erinnerte an die immer wieder gern zitierte Tatsache, dass in einem „normalen Bürogebäude" während der „normalen Arbeitszeit" nur 35% bis 40% der Beschäftigten am Arbeitsplatz sind, weitere 30% sich irgendwo im Gebäude befinden und die restlichen 30% sogar außerhalb des Gebäudes. Je höher der Büroarbeiter in der Unternehmenshierarchie angesiedelt ist, desto mehr verschieben sich die Gewichte in Richtung Meeting bzw. Dienstreise. Flächenverschwendung pur. Es gibt Großunternehmen und Vorgesetze, die diese Büroräume und Chefetagen bei Abwesenheit mittlerweile zur freien Verfügung stellen. Andere gehen weiter und setzen in großem Umfang auf Open-Space- oder gar Multi-Space-Konzepte mit sehr variantenreichen Flächennutzungen. Meister verwies in diesem Zusammenhang wie gesagt auf das spektakuläre Büro- und Immobilienkonzept des Basler Novartis Campus, Nur ein kleiner, vielleicht nebensächlich erscheinender Aspekt sie hier abschließend erwähnt. Jedes der vielen Einzelgebäude auf dem bis 2030 entstehenden Campus wird ein qualitativ anspruchsvolles, jeweils spezielles Gastronomieangebot bereitstellen. Ein Grund dafür ist: „Das Food-Konzept ist entscheidend für die Wissenszirkulation."
Immobilien Zeitung, 09.08.2012 |
Smart Working als Wertschöpfung Die Fixkosten für Büroimmobilien schlagen ordentlich zu Buche und deshalb haben die Unternehmen sie im Blick. Dass diese durch ein kreatives und aktivierendes Arbeitsumfeld gesenkt werden können, wird hingegen oft nicht wahrgenommen. Mit Smart-Working-Konzepten werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Flexible Arbeitswelten entstehen, die Kosten sinken. Wie sich der Konflikt aus Bürokosten und Arbeitsmotivation lösen lässt, zeigt das Beispiel des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods, dessen Europazentrale in Zürich nach den Leitlinien des Smart Working von Brückner Innenarchitekten aus München umgestaltet wurde. Das Ergebnis sind ein besseres Arbeitsklima und Einsparungen. Die digitale Revolution hat auch vor dem Büro nicht halt gemacht, doch in den Bürowelten spiegelt sich das kaum wieder. Die hohen Leistungserwartungen an Mitarbeiter stehen zumeist noch im Gegensatz zum angebotenen Arbeitsumfeld. Fehlende Kreativität bis hin zu Burnout und Frühverrentung sowie die Folgen schlechter Kommunikation sind unterschätzte Kostenfaktoren. Bei weitsichtigen Unternehmen findet in letzter Zeit ein Umdenken statt. Sie haben verstanden, dass eine effiziente Nutzung von Büroflächen nichts mit dem Verdichten von Arbeitsplätzen zu tun haben muss. Die Mitarbeiter müssen vielmehr durch eine neue Umgebung motiviert werden. Nicht zuletzt belegen zahlreiche Studien: Je mehr Bewegung, desto mehr Kommunikation und Ideen und in der Folge auch mehr Innovationen. Dieses Potenzial wollte auch Kraft Foods in Zürich ausschöpfen. Auf einer Nutzfläche von rund 10.000 m² planten Brückner Innenarchitekten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Psychologen Arbeitsplätze, die den Anforderungen einer multifunktionalen Arbeitswelt der Zukunft entsprechen. Schon heute steht die Kommunikation mittels neuer Technik und damit die Synchronisation von Wissen im Vordergrund der Arbeit. Deshalb muss auch der Arbeitsplatz als produktiver und kreativer Ort neu definiert werden. Dabei verspricht die räumliche Umstrukturierung Vorteile in doppelter Hinsicht: Das Budget für Büroimmobilien entspricht im Durchschnitt etwa 10% eines unternehmerischen Gesamtetats. Es ließe sich dank neuer und flexibler Arbeits- und Büroformen um bis zu 30% senken, so Susanne Brückner. Gute Arbeitsbedingungen durch entsprechende Architektur und Innenarchitektur fördern nicht nur die Entwicklung von innovativen Arbeitsformen, sondern steigern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und führen zu einer Produktivitätssteigerung von bis zu 36%, so das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), das ebenfalls in die Arbeit von Brückner Innenarchitekten einfloss. Das Brückner-Konzept für die Konzernzentrale von Kraft Foods ermöglicht Arbeiten an verschiedenen Orten im Büro. Denn Smart Working bedeutet die Auflösung fester Strukturen und macht das Arbeiten mobil, auch im Büro. Das zukunftsgerichtete Büro ist ein Ort der Begegnung und Vernetzung. „Die Gestalt prägt den Gehalt", lautet der Ansatzpunkt von Susanne und Laurent Brückner. Denn Mitarbeiter seien mobil geworden, sie brauchten nicht mehr einen festen Arbeitsplatz zur Verfügung. Das Arbeitsumfeld fördert die Identifikation. Die Umgestaltung von Kraft Foods berücksichtigt dies. Die Büroflächen wurden gleichermaßen nach ästhetischen, funktionalen, individuellen und flexiblen Gesichtspunkten umgestaltet. Jedes Stockwerk ist in unterschiedlich genutzte Bereiche geteilt. Es gibt Work-Spaces für ruhiges Arbeiten in privater Atmosphäre und Team-Spaces für Austausch und Kommunikation. Die Bereiche unterscheiden sich auch durch unterschiedliche Sitz- und Stehhöhen. Alle Sinne werden angesprochen. Denn Forschungsergebnisse des IAO zur Work-Life-Balance zeigen, wie wichtig Licht, Farbe, Akustik und Haptik im Büro für das Wohlbefinden sind. Deutlich wird das in Zürich durch den Einsatz unterschiedlicher Farben und Materialien, die Einzel- und Teamarbeitsplätze abgrenzen. Es gibt Ruheräume ohne Technikausstattung und barähnliche Räume für die Kommunikation. Dieses Zusammenspiel fördert die Unternehmensidentifikation, weiß man bei Kraft Foods. In Anlehnung an die lateinische Redewendung „mens sana in corpore sano" lautet die moderne Interpretation beim Team Brückner: „Ein produktiver Geist wohnt an einem produktiven Ort." Das zeigt sich nicht nur nach der Büroumstrukturierung bei Kraft Foods. Neue Zentren der Konzentration und Kollaboration haben in Zürich auch Google und Credit Suisse geschaffen. Zürich scheint der Arbeitnehmerhimmel auf Erden zu sein.
Immobilien Zeitung, 05.07.2012
Orgatec erwartet 600 Aussteller Rund 600 ausstellende Unternehmen erwartet Koelnmesse zur diesjährigen Orgatec, die vom 23. bis 27. Oktober stattfindet. Das Ausland wird auch diesmal die Hälfte und mehr der Aussteller und Besucher stellen. Zur Kölner Leitmesse Orgatec (Modern Office & Objects) erwartet Messe-Geschäftsführerin Katharina C. Hamma im Oktober einen stabilen Zuspruch von 600 ausstellenden Unternehmen aus 40 Ländern. Um die 60% der Aussteller werden wieder aus dem Ausland kommen - zuallererst aus Italien, aber auch Spanien, Dänemark, Schweden und die Türkei seien stark vertreten. Die international führende, alle zwei Jahre stattfindende Fachmesse Orgatec wird diesmal rund 105.000 m² Brutto-Ausstellungsfläche belegen. Die Orgatec will den Fachbesuchern - 2010 waren 61.000 nach Köln gekommen, davon jeder zweite aus dem Ausland - ein umfassendes Angebot in den fünf Bereichen Einrichtung, Licht, Boden, Akustik und Medientechnik präsentieren. Damit sollen alle angesprochen werden, die mit der Planung der Einrichtung und Ausstattung sowie mit dem Betrieb und dem Management der Büroflächen und Immobilien befasst sind. Facility-Manager finden an dieser Stelle ausdrücklich Erwähnung. Zum Rahmenprogramm der Messe gehört die so genannte Büro- und Architekturnacht Insight Cologne, in der vor Ort rund 15 Büroobjekte besichtigt werden können. Das Internationale Trendforum nimmt sich Veränderungen der Kommunikations- und Arbeitsstrukturen vor die Brust - als Vorzeigebeispiel gilt das Smart-Working-Konzept der Credit Suisse. Außerdem wird das Hamburger Trendbüro eine vom Büromöbelverband bso in Auftrag gegebene Studie (" New Work Order") präsentieren.
Immobilien Zeitung, 10.05.2012
Kein Döner am Schreibtisch
Im Großraumbüro ist Rücksichtnahme angesagt. Hölle, das sind die anderen - so hat es der Philosoph Jean-Paul Sartre einmal treffend formuliert. Wer im Großraumbüro arbeitet, dürfte auch ab und zu so denken. Der eine Kollege telefoniert zu laut, der andere tratscht unentwegt, und der dritte schmatzt mit einem Döner in der Hand. Hier arbeiten, wie soll das gehen? Das ist eigentlich ganz einfach: Alle müssen sich an ein paar Etiketteregeln halten. Denn unter anderem nervt das im Großraumbüro: Telefon: Der Kollege telefoniert so laut, dass das ganze Büro zuhören muss? Am besten zeigen die anderen ihm dann die Rote Karte, rät Krischel. Das ist wörtlich gemeint: So könnten Mitarbeiter ein Zeichen dafür vereinbaren, dass jemand zu laut telefoniert - zum Beispiel eine rote Pappe wie im Fußball. „Manchen ist es ja gar nicht bewusst, dass sie so laut sprechen" erklärt Krischel. Handy: Nervige Klingeltöne können einem schon in der U-Bahn den letzten Nerv rauben. Fängt im Büro ein Handy immer wieder an, den neuesten Pophit zu dudeln, geht das erst recht gehörig auf den Geist. Im Büro sollte daher immer nur der Vibrationsalarm eingestellt sein, rät Krischel. Sinnvoll sei es, das Telefon am Schreibtisch auf lautlos zu stellen und sich Anrufe etwa über ein Blinken anzeigen zu lassen. „Und nicht durchs Büro laufen mit dem Handy, während man telefoniert!" Privatgespräche: Der Kollege hat Ärger mit seiner Freundin? Wie schön, dass alle anderen es mit anhören dürfen, wenn er mit ihr telefoniert! Um solche Peinlichkeiten zu vermeiden, gehen Mitarbeiter für private Telefonate besser raus oder ziehen sich in einen anderen Raum zurück, rät Imme Vogelsang vom Netzwerk Etikette Trainer International im Hamburg. „Sonst kriegen alle ja gleich solche Ohren." Unordnung und Dreck: Im Kühlschrank verschimmeln vergessene Joghurts, und abends türmt sich in der Küche ein Spülberg - im Großraumbüro sieht es schnell so aus, wenn sich keiner für die Ordnung zuständig fühlt. Dabei klappt es damit nur, wenn jeder ein bisschen mitmacht. „Manche stellen ihre schmutzigen Tassen in der Küche einfach hin und hoffen, dass eine Fee sie über Nacht wegräumt", sagt Vogelsang. Es sei aber nicht zu viel verlangt, wenn jeder sein Geschirr selbst in die Spülmaschine räumt, sagt Krischel. „Und der letzte macht sie dann an." Auch auf dem Schreibtisch gelte die Devise „bloß kein Messie-Chaos", ergänzt Agnes Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat in Bonn. So gehöre es etwa dazu, leere Flaschen wegzuräumen. Essen im Büro: „Manche sind da ja völlig enthemmt", hat Vogelsang beobachtet. „Die bringen sich Pommes oder Asianudeln mit, und dann riecht das im ganzen Büro danach." Den anderen vergeht dann schnell der Appetit. Jarosch rät daher: „Einen Apfel oder Müsliriegel am Arbeitsplatz essen, ist okay, aber das dampfende Schnitzel oder das Mettbrötchen mit Zwiebeln sind tabu. Rheinmainmarkt, Juni 2012
„InTouch": Offensive gegen falsches Sitzen
Rückenschmerzen zählen in Deutschland zu den häufigsten Beschwerden, besonders bei sitzend Beschäftigten. Wir sitzen zu viel: im Auto, bei der Arbeit, beim Essen, vor dem Fernseher. 80.000 Stunden, so schätzen Experten der Bundesärztekammer, verbringen Bürobeschäftigte im Sitzen. Die bekannten Folgen: Verspannungen, Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Leistungsabfall und schließlich krankheitsbedingte Ausfallzeiten. Dauphin, einer der führenden europäischen Bürositzmöbelhersteller, forscht seit Jahrzehnten auf diesem Gebiet und steuert mit innovativen Sitztechniken in Ergonomischen Sitzmöbeln erfolgreich gegen. Die Sitzexperten aus Offenhausen bei Nürnberg orientieren sich am menschlichen Verhalten im Büro und beim Sitzen. Ihr jüngster Wurf: „InTouch", ein neuartiger Drehstuhl, der mit dem Sitzenden „in touch", in Berührung, bleibt und von dem renommierten Designer Martin Ballendat gestaltet wurde. Alle Elemente des Stuhls sind organisch, harmonisch gestaltet; die Linienführung läuft radial verjüngend und schafft optische Ausgewogenheit. Eine perfekte Synthese aus Ergonomie und Design, die bereits zweimal ausgezeichnet wurde - mit dem Qualitätssiegel „red dot" für hohe Designqualität 2011 und mit dem begehrten „iF product design award 2012" Im Mittelpunkt des mobilisierenden Stuhls steht eine biege-elastische Rückenlehne, die sich vollflächig an den Rücken schmiegt und sich gleichzeitig nach hinten und zu beiden Seiten bewegen kann. Der innovative Drehstuhl InTouch kann jetzt im Dauphin HumanDesign Center Frankfurt/Offenbach vor Ort getestet werden.
Dauphin Advertorial in der Frankfurter Rundschau
Der erste lässt die Tische runter Eine niederländische Werbeagentur nutzt ihr Büro auch nach Feierabend. Dafür lässt sie die Schreibtische einfach in der Decke verschwinden. Wer zuerst kommt, drückt den Knopf - sonst läuft nichts bei Heldergroen. Damit die fünfzehnköpfige Mannschaft um die Gründer Jeroen van Zwetselaar und Sander Veenendaal loslegen kann, müssen zunächst einmal die Tische von der 5 Meter hohen Decke zu Boden gelassen werden. Am Abend zuvor nutzte vielleicht die Belegschaft den freien Raum der etwa 200 Meter großen Büroetage, um ein bisschen Fußball zu spielen, mit dem Skateboard zu fahren oder mit Geschäftsfreunden zu feiern. Dass im Erdgeschoss des Silos am Fanny Blankers Koenplein im nordholländischen Ort Haarlem morgens um neun große hölzerne Tische herabschweben, Stühle und Rollcontainer aus Contenstahl wieder an ihre Plätze gestellt werden, ist ein ungewöhnlicher Gag. Damit stellt das Unternehmen aus der Werbe- und Designbranche auch in der Gestaltung der eigenen Büroräume seine Originalität unter Beweis. Nur ein paar Schreibtische von Eiermann samt Designklassiker-Bestuhlung auf einen Sichtbetonboden zu stellen reicht nicht. Im Fall eines Büros, das seinen Kunden Inspiration und Kreativität zu verspricht, darf es doch etwas mehr sein. Der Agenturname Heldergroen heißt zu Deutsch Hellgrün. Der Name gibt einen Hinweis auf das Image, das sich das Unternehmen geben will, auch in Hinsicht auf einen bewussteren Umgang mit Resourcen. Dazu zählt auch die Frage, wie sich Räumlichkeiten, z. B. Büros, die nach Feierabend leer stehen, besser nutzen lassen. Vor etwas mehr als zwei Jahren erwarb die damals erst vier Köpfe zählende Agentur aus Utrecht quasi über Nacht ein altes Silo in Haarlem, in dem sich die Vorstellungen, bis zu einem gewissen Grad das Arbeiten mit dem Wohnen zu verbinden, verwirklichen ließ. Auch wenn es ziemlich heruntergekommen war, so hatte es eine gute Lage am Wasser, Nähe zum Zentrum und reichlich Platz. Heute verfügt es mit seinen drei Glasfronten im Erdgeschoss über jene Offenheit, die die neuen Eigentümer sich wünschten. Für den Großteil des Interieurs wurde wiederverwertetes Altmetall von Autowracks und Holz von Telefonmasten verwendet und die Agentur zeigt damit, wie cool Nachhaltigkeit sein kann. In diesem von einem Architekturbüro und einem Möbeldesigner sehr individuell gestalteten Unternehmenssitz haben die Chefs Einzelbüros, deren Glaswände aber Blickkontakt untereinander wie mit den anderen Mitarbeitern ermöglichen. Auch gibt es einen separaten Raum für Besprechungen. Ansonsten herrscht Weiträumigkeit, die noch verstärkt wird, wenn die großen Holztische hoch oben an der Decke hängen. Für das Aufzugssystem machten sich die Architekten von Zecc übrigens Theatertechnik zunutze. Die Tische verschwinden fast lautlos in Boxen an der Decke, die zudem nicht nur die Lichttechnik beherbergen, sondern auch für die Schalldämmung sorgen. Gegen den Kabelsalat wurden sämtliche Computerkabel in flexiblen weißen Hüllen gebündelt, die aus der Medizintechnik stammen. Die offene Küchenzeile hat auch raumgliedernde Funktion, hinter ihr verbergen sich die Toiletten, der Server-Raum, die Garderobe und alles, was in der trendigen Bürowelt stören könnte. Günstig war der Innenausbau des Silo-Erdgeschosses übrigens nicht. An die 200 000 Euro hätten sie am Ende in ihr neues Büro gesteckt, sagt Veenendaal. Viel mehr als zunächst gedacht. Weil die Räume sich bestens für Heldergroens Eigenwerbung eignen, haben die Chefs zur Finanzierung des Ausbaus Gelder aus dem Marketingbudget beigesteuert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Mai 2012
Geteilt und vernetzt Überall entstehen Coworking Spaces - besonders viele in Berlin. Sie sind mehr als Gemeinschaftsbüros. Und sie wecken das Interesse großer Konzerne. Rund zwanzig Leute scharen sich an der Theke, die zugleich Rezeption ist. Dahinter eine wandfüllende Tafel mit dem gesamten Sortiment an Kaffeesorten, Bio-Limos und Snacks sowie ganz oben und unübersehbar der Gästezugang mit dem Passwort fürs WLAN. Wir sind hier im Entree und Café eines Coworking Space, dem Betahaus in Berlin-Kreuzberg, einem der bekanntesten Büros für Digital Natives, wie die Medien gern jene nennen, denen das Internet scheinbar als sechster Sinn mit in die Wiege gelegt wurde. Von den weltweit mehr als tausend Coworking Spaces, die vor allem in den Großstädten entstehen, sind zurzeit 25 bis 30 in Berlin. Der Zuwachs ist mit einer jährlichen Verdoppelung enorm. Die neuen Orte der Arbeit lassen sich allerdings nicht leicht zählen, da sie schwer abzugrenzen sind - zur einen Seite zu gewöhnlichen Gemeinschaftsbüros, auf der anderen gegenüber klassischen Mietbüros oder Business Centern. Coworking Spaces sind die typischen Arbeitsplätze für Freiberufler, Kreative und Start-ups. Orte fern des heimischen Schreibtischs, aber eben nicht zu vergleichen mit traditionellen Büros. Sie definieren sich vor allem durch ein flexibles Netzwerk an Menschen und Ideen - und durch schnelles Internet. Bei einer Führung durch das Betahaus erfährt man, dass das sechsköpfige Gründungsteam vor zweieinhalb Jahren mit nur einem Raum für Schreibtische in einem alten Industriegebäude angefangen hat, heute sind es für 200 Mitglieder drei Etagen mit dem Interesse an einer vierten. Industriestil allenthalben, die Raumgestalter haben bevorzugt einfache Lösungen gewählt - offene Holzwaben dienen als Postablage, Schnüre mit Klammern als Schwarzes Brett. Der „Meeting Space" besteht schlicht aus mit Teppich bezogenen Stufen. Was man hier nicht findet: alles, was es für die Bürowelt von der Stange gibt. Die Arbeitsräume sind groß und werden durch das bestimmt, worum es geht. Viele Schreibtische nach dem simplen Prinzip: zwei Böcke, obendrauf eine Platte. Wer bei Konferenzen die Tür hinter sich schließen möchte, findet ein paar Bereiche abgetrennt, auch wenn man durch die Wände durchschauen kann. Man kann einen Platz fest mieten oder nur ein Tagesticket nehmen. Extras wie ein Spind, eine Postbox, 24-Stunden-Zugang zum Büro, Konferenzraumnutzung, Voice over IP oder eine Kaffee-Flatrate kosten extra. Nur 40% seines Umsatzes erzielt das Betahaus mit den Arbeitsplätzen, 40% mit Events und Konferenzen und 20% mit dem Café, das auch öffentlich ist. In Berlin-Mitte wurde der Coworking Space des St. Oberholz in einer schicken Altbauetage frisch eröffnet, und zwar nur für zwanzig Mitglieder. Ein Innenarchitekt gab dem Ehrwürdigen einen kräftigen modernen Anstrich mit mutigen schwarzen Flächen und einer bunten Streifengrafik. In der Diele wurden transparente Hauben montiert und mit Post-it-Blöcken ausgerüstet für ein wenig Privatsphäre beim Telefonieren - mit dem eigenen Handy natürlich. Die knallbunten Kabel mit Stromsteckern, die von der Decke baumeln, werden nicht versteckt, sondern sind Designmerkmal. In einem der Räume z.B. sitzen die Coworker an einem langen Tisch, als würden sie zusammen zu Abend essen. Ein weiterer Coworking Space ist das Club Office, deren Gründer neben 7 weiteren Standorten deutschlandweit in Berlin-Wilmersdorf einen ganzen Sparkassenkomplex übernommen haben. Sie individualisieren die Büroraumatmosphäre mit vielen Ideen und verschiedenen Stilen, gestalten etwa jeden der 26 Konferenzräume völlig anders - mal violett plüschig, mal weiß und clean. Eine Pforte mit Besucherliste, repräsentativer Lobby und Aufzügen nimmt der Geschäftswelt Berührungsängste. Denn tatsächlich suchen immer mehr Konzerne die Nähe zu den kreativen Köpfen der digitalen Welt, zu Startups und Gründern. Einige Weltkonzerne haben im Club Office Mitarbeiter sitzen oder veranstalten hier Konferenzen. Namentlich genannt werden wollen die wenigsten. Sie kommen etwa aus der Koffein oder Softdrinkbranche. Auch der Mineralölkonzern Shell gehört dazu. Einige Unternehmen sind dabei, des Coworking auszuprobieren, hängen es aber nicht an die große Glocke. Christoph Giesa von der Otto Group meint, die Unternehmen müssten aus ihren Mauern rauskommen. Der Markt sei von jungen, kreativen Menschen getrieben und die wollten immer seltener innerhalb von Konzernhierarchien und auf langen Fluren arbeiten Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2011
Familienfreundliche Arbeitgeber sind gefragt Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eines der zentralen Themen in der modernen Arbeitswelt. Demografischer Wandel, der Mangel an Fachkräften, aber auch die zunehmende Zahl berufstätiger Frauen und kinderhütender Väter haben in der Vergangenheit bei vielen Arbeitgebern zum Umdenken geführt. Nicht Arbeit oder Familie, sondern Arbeit und Familie heißt heute das Credo. Die DKB Immobilien in Potsdam war eines der ersten Unternehmen in der Immobilienbranche, das familienfreundliche Arbeitsbedingungen geschaffen hat. 2005 hat es dafür die Zertifizierung für das Audit berufundfamilie gGmbH der Hertie-Stiftung bekommen. Das Projekt familienfreundlicher Arbeitgeber nahm dort 2005 seinen Anfang. Man vereinbarte einen Kooperationsvertrag mit dem Kinderhaus Fridolin, das nur etwa sieben Minuten Fußweg vom DKB-Sitz entfernt liegt. Damals erwarteten mehrere der etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Nachwuchs. Flexible Wochenarbeitszeiten, die Möglichkeit zur Teilzeit- oder Heimarbeit und die Unterstützung bei der Organisation der Betreuung, waren wichtige Eckpfeiler, um den jungen Eltern den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Das Kinderhaus Fridolin war dabei mit seinen höchst flexiblen Betreuungszeiten ein wahrer Glücksfall, zumal es in Potsdam ohnehin besonders schwierig ist, einen Kita-Platz zu bekommen. Dabei übernimmt die DKB Immobilien die Organisation der Betreuung und die Hälfte der Betreuungskosten. Auch andere Unternehmen haben familienfreundliche Arbeitsmodelle entwickelt, wie z.B. die kommunale Wohnungsgesellschaft in Erfurt (KoWo). Neben flexiblen Arbeitszeiten und der Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten, können Mitarbeiter dort auch mal ihre Kinder in speziell dafür eingerichtete Eltern-Kind-Büros mitbringen, wenn es kurzfristig Betreuungsengpässe gibt. Auch gibt es eine Kooperation mit dem Großelterndienst in der Stadt. Besonders für die jüngere Generation ist es selbstverständlich, dass beide Partner weiter arbeiten, wenn Kinder da sind. Sie wissen die Angebote der Arbeitgeber besonders zu schätzen, welche ihnen die notwendige Flexibilität geben, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. Aber neben der Kinderbetreuung wird inzwischen auch die Pflege älterer Familienangehöriger in den Arbeitsmodellen familienfreundlicher Unternehmen berücksichtigt durch flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten. Das hohe Maß an Flexibilität verlangt aber nicht nur die Unterstützung durch die Führungskräfte einer Firma, sondern auch durch die Kollegen, welche für jemanden, der nicht da ist, einspringen müssen. Auf diese Weise entwickelt sich eine gute Unternehmenskultur und die Identifikation mit dem Unternehmen wächst, wenn Mitarbeiter aufgrund ihrer familiären Situation nicht ausgegrenzt, sondern einbezogen werden. Ganze Maßnahmenpakete haben Firmen inzwischen geschnürt, um die Mitarbeiterbindung zu festigen und die Motivation ihrer Angestellten zu erhöhen oder viel beschäftige Mitarbeiter zu entlasten. Das reicht vom Haushaltsservice, den man beanspruchen kann, bis hin zu Ferienbetreuungsangeboten für schulpflichtige Mitarbeiter-Kinder. Manche Unternehmen bieten währen der Arbeitszeit Yoga @ Lunchtime, Rückengymnastik oder kostengünstige Massagen am Arbeitsplatz an. Der Fantasie sind quasi keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, für das Wohlergehen der Beschäftigten zu sorgen. Längst haben Arbeitgeber erkannt, dass Mitarbeiter, denen die Organisation von Arbeits- und Privatleben erleichtert wird, höchst motiviert sind und die Qualität der Arbeit sich verbessert. Laut einer Studie stellen sich familienbewusste Unternehmen in allen relevanten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eindeutig besser dar als nicht familienbewusste Unternehmen. Das lässt sich zurückführen auf eine höhere Motivation, geringere Fehlzeiten und eine höhere Bindung von Fachkräften, was wiederum eine langfristigere Bindung der Kunden zur Folge hat. Natürlich können familienorientierte Arbeitsbedingungen auch ohne das Audit berufundfamilie geschaffen werden. Und in vielen Betrieben geschieht das auch. Der Vorteil für Arbeitnehmer, die in einem zertifizierten Unternehmen arbeiten, liegt aber auf der Hand: Dort ist Familienfreundlichkeit fester Bestandteil der Unternehmenskultur und hängt nicht allein vom guten Willen der Führungsebene ab. Immobilien Zeitung, 29.09.2011
Mehr Teamarbeit und neue Technologie Johnson Controls Global WorkPlace Solutions (GWS) hat in einer internationalen Studie untersucht, welche Veränderungen Büroangestellte bis 2020 in Bezug auf ihr Arbeitsumfeld erwarten. Das zentrale Ergebnis: Die Befragten gehen davon aus, dass die Büroarbeit der Zukunft wesentlich stärker in Teams stattfinden wird, als dies in heutigen Arbeitsumgebungen der Fall ist. Für die Studie wurden 1.700 Büroangestellte in sieben Ländern befragt. Diese erwarten, dass sie durch den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien künftig mehr Zeit im Team anstatt an ihrem Schreibtisch verbringen werden. Interaktive digitale Bildschirme, berührungsempfindliche Oberflächen und die Möglichkeit, durch Videokonferenzen mit Standorten an jedem Ort der Welt verbunden zu sein, sollen gemeinschaftliches Arbeiten fördern. Die erwartete Zunahme der Arbeitszeit in virtuellen Teams bedeutet umgekehrt, dass die Angestellten immer weniger Zeit in Einzelbüros, am Telefon oder in traditionellen Besprechungszimmern verbringen. GWS-Managerin Marie Puybaraud erklärt zur Studie: „Wir wissen, dass die Teamarbeit im Büro ein wichtiger Treiber für Kreativität, Innovation und somit für den Geschäftserfolg ist." Entsprechen ist ihr Fazit: „Unternehmen, die nicht in kollaborative Technologien und neue Arbeitsumfelder investieren, behindern Produktivität." Auch der typische Büroarbeitsplatz werde sich bis Ende des Jahrzehnts ändern, so die Schlussfolgerung aus der Umfrage. Der Anteil der Nutzer solcher Team-Arbeitsbereiche mit speziellen Technologien wird von derzeit einem Fünftel auf mehr als die Hälfte steigen. Traditionelle Besprechungsräume werden heute von 40% der Befragten regelmäßig genutzt, für 2020 können sich dies nur noch 27% vorstellen. Die Nutzung des Schreibtischtelefons wird voraussichtlich von heute der Hälfte auf ein Drittel zurückgehen. Die Immobilienplanung der Unternehmen wird sich mehr an den konkreten Zwecken der Arbeitsplätze, den jeweiligen Geschäftsmodellen und Unternehmenskulturen orientieren und den Räumlichkeiten, die gezielt die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern fördern, einen größeren Anteil der Fläche eines Büros zugestehen. Beim Gebrauch von Videokommunikation und anderen Echtzeitkommunikations-technologien gehen die befragten Büroangestellten davon aus, dass sie im Jahr 2020 die Möglichkeit zu Webkonferenzen, Instant Messaging und Videokonferenzen deutlich häufiger nutzen werden. Die regelmäßige Teilnahme an Webkonferenzen wird sich vermutlich verdreifachen. Auch wird eine Nutzung von Technologien erwartet, die derzeit noch in der Entwicklung sind. So gehen 44% davon aus, dass es 2020 dreidimensionale Videokonferenzen mit einer besseren Bildschirmtiefe und realistischeren Ansicht geben wird. Immobilien Zeitung, 01.09.2011
Büroarbeitsplätze: Kaninchenställe werden bevorzugt
Die in Diskussionen über moderne Büroflächen oft gescholtenen Zellenbüros, auch Kaninchenställe genannt, dominieren weiterhin eindeutig die Landschaft. So genannte Open Spaces sind klar in der Minderheit. Die einen fördern, die anderen hemmen die Produktivität - sagt zumindest eine Studie. Auskunft gaben rund 600 Dienstleistungs- und Produktionsbetriebe sowie öffentliche Unternehmen und Behörden. Fast überall (93%) gibt es dort Zellenbüros (Einzel-/Zweierbüros). Ebenfalls weit verbreitet sind Büros für drei bis acht Personen (73%), Büros mit neun bis 25 Arbeitsplätzen finden sich in einem Drittel der Unternehmen und Behörden, Großräume (mehr als 25 Personen) nur in jedem zehnten. Dabei gilt die Regel: je größer das Unternehmen, desto eher finden sich auch Open Spaces und Großraumbüros. Es zeigt sich, dass 62% der Beschäftigten in Zellenbüros arbeiten und nur rund 5% auf großen Flächen. Die meisten Unternehmen sind der Meinung, dass die Raumform die Produktivität der Mitarbeiter beeinflusst. Einzel- und Zweierbüros gelten als eindeutig (37%) oder eher (35%) produktivitätssteigernd. 23% meinen, Großbüros (mehr als 25 Personen) seien eher produktivitätshemmend, 11% halten dies sogar eindeutig für produktivitätshemmende Flächen. Auf der anderen Seite wird den Kaninchenställen praktisch von niemandem produktivitätshemmender Einfluss zugeschrieben, während gut ein Viertel der Befragten sagt, Großraumbüros förderten eher bzw. eindeutig die Produktivität. Großen Wert legen die Befragten der vom bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel veranlassten Studie auf die Ausstattung von Arbeitsplätzen und Büroräumen. Egal, ob es um attraktive, repräsentative oder moderne Ausstattung geht, sowohl die Bedeutung dieser Attribute wie der entsprechende Ist-Zustand der Büros werden mit der Schulnote 2,5 bewertet. Etwas anders sieht es in Sachen Ergonomie und Funktionalität aus: Deren Bedeutung wird jeweils mit 1,5 bewertet, der Ist-Zustand dagegen nur mit 2,1 bzw. 1,9 benotet. Wer ist mit der Auswahl und Beschaffung von Büromöbeln befasst? Überall ist wie nicht anders zu erwarten der Einkauf involviert. Nicht verwundert, dass die Chefs eher in kleineren Betrieben (78%) Einfluss nehmen, in größeren dagegen kaum (29%). Gleiches gilt aber auch für die betroffenen Büroarbeiter, die in Organisationen mit bis zu 50 Büroarbeitsplätzen eher gefragt werden (25%) als in größeren (16%). Facility-Manager sind gleichermaßen im einen Fall wie im anderen gefragt (jeweils rund 35%), nur in der Zwischengröße (21 bis 200 Büroarbeitsplätze) wird ihr Rat seltener (26%) eingeholt. Mit welchen Trends rechnen die befragten Unternehmen? Teamarbeit, Eigenverantwortung und höhere Anforderungen an die Kreativität der Mitarbeiter bestimmen die Zukunft. Hinsichtlich flexibler Arbeitszeiten und flexiblerer Arbeitsorte wird sich, so die Mehrheit der Befragten, dagegen nichts tun. Immobilien Zeitung, 17.06.2011
|
Große Räume wecken Unzufriedenheit
Egal ob Führungskraft oder Sachbearbeiter - je mehr Menschen in einem Büroraum zusammen arbeiten, desto eher sind sie mit ihrem Arbeitsplatz unzufrieden. Auch die Sorge um die Gesundheit nimmt zu. Dabei ist es gleich, ob das Büro in der City oder im Umland steht. Dies sind Ergebnisse einer Ipsos-Umfrage, die Union Investment beauftragt hat. 56% der Mitarbeiter in Einzelbüros zeigten sich äußerst oder sehr zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz, bei Zweierbüros sind es noch 43% und bei drei bis vier Personen im Raum 36%. Bei Großraumbüros mit fünf und mehr Arbeitsplätzen liegt der Wert bei nur noch 28%. Fast genauso viele Großraumbüroarbeiter (27%) äußern sich ausdrücklich „weniger zufrieden" oder „unzufrieden". In Einzelbüros tun dies nur 7%. Deutlich weniger Beschäftigte in Einzelbüros machen sich Sorgen, dass die Bürotätigkeit Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben könnte, als in Beschäftigte in Großraumbüros. Auch nimmt mit der Anzahl der Personen in einem Büroraum die Unzufriedenheit und die Angst vor einer Gesundheitsgefährdung zu. Entsprechend verhält es sich bei der Betriebsgröße. Gefragt nach den für sie wichtigsten Arbeitsplatzkriterien, nennen die Befragten - neben dem „allgemeinen Wohlbefinden" - spontan vorrangig die Faktoren Licht/Beleuchtung/helle Räume (23%), Ruhe/schalldichte Räume (16%), moderne Arbeitsplatzausstattung (12%), Raumklima (10%) und allgemein ausreichenden Platz (9%). „Die Nachfrage nach Gebäuden, die ein hohes Maß an Wohlbefinden gewährleisten, dürfte angesichts des härter werdenden Wettbewerbs um hochqualifizierte Fachkräfte einen zusätzlichen Schub erhalten", kommentiert Reinhard Kutscher, Vorsitzender der Geschäftsführung von Union Investment Real Estate (UIRE), die Ergebnisse der Studie. Als die drei meist genannten Störfaktoren am Arbeitsplatz erweisen sich die Klimaanlage bzw. Raumtemperatur (33%), Lärm und störende Geräusche (30%) sowie Platzmangel (25%). In Bezug auf die Lage schneiden innerstädtische Standorte und solche im Umland bei der Zufriedenheit ähnlich gut ab, schlechter ist es bei Lagen am Stadtrand oder im Stadtteil. Am unzufriedensten ist man in Büros im Industrie- oder Gewerbegebiet. Dabei macht die Branchenzugehörigkeit kaum einen Unterschied. Eine Ausnahme sind aber Mitarbeiter von Versorgungsunternehmen, sie legen außerordentlich hohen Wert auf große Büros und den guten baulichen Zustand der Immobilie. Dagegen sind Angestellte von Produktionsbetrieben am wenigsten an der Anzahl der verfügbaren Parkplätze interessiert. Nach der Auffassung von UIRE-Chef Kutscher sollten sich Unternehmen stärker um die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter kümmern. Nur 28% der Unternehmen erheben Daten systematisch (Mitarbeiterbefragungen, Vorschlagwesen usw.) Dagegen wünschen sich 40% der befragten Bürobeschäftigten, dass ihr Arbeitgeber mehr in die Qualität der Arbeitsplätze investiert. 46% wünschen sich, in dieser Hinsicht mehr Gehör für Vorschläge und Wünsche zu finden. Immobilien Zeitung, 21.04.2011
Zufrieden im Großraumbüro Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa unter 500 Büronutzern ergab: Das Großraumbüro ist besser als sein Ruf. 20% der Befragten sind sehr zufrieden und 63% eher zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Befragt wurden für die Erhebung, in deren Mittelpunkt die Zufriedenheit der Beschäftigten und das Verbesserungspotenzial der Räume stand, die Nutzer von Einzel-, Mehrpersonen- (2 bis 3 Mitarbeiter) und Großraumbüros (ab 4 Mitarbeiter). Ein Großteil davon mag sein Arbeitsumfeld. Dabei ist der Zufriedenheitsgrad bei Nutzern von Einzelbüros am höchsten (57% zufrieden, 39% eher zufrieden). Bei Mehrpersonenbüros sind es immerhin noch 36% bzw. 54%. Als Verbesserung wünschten sich in Großraumbüros 57% eine bessere Raumluft und 47% einen geringeren Geräuschpegel. Nutzer der so genannten Open-Space-Büros sind zu zwei Dritteln mit den Aufenthaltsräumen zufrieden und für 49% steht ein Rückzugsraum für konzentriertes Arbeiten zur Verfügung. Bei Mehrpersonenbüros verfügen 62% über Aufenthaltsräume, 39% über Rückzugsräume. Über alle Bürotypen hinweg wünschten sich 33% der Befragten bessere Raumluft, 28% einen niedrigeren Geräuschpegel, 24% einen attraktiveren Aufenthaltsraum und 15% mehr Tageslicht. Ein Großteil der Studien-Teilnehmer, die mit mindestens einem Kollegen zusammenarbeiten, würde übrigens einen Umzug in das klassische Einzelbüro nicht vorziehen: Nur 12% der Nutzer von Großraumbüros und 14% der Nutzer von Mehrpersonenbüros würden lieber ganz allein arbeiten. Andersherum möchte ein Großteil derer, die allein arbeiten, dass es so bleibt. 53% der Befragten wollen ihr Einzelbüro auch nicht mehr gegen ein Mehrpersonen- oder Großraumbüro eintauschen. Immobilien Zeitung, 03.03.2011
Im Zweifel lieber revitalisieren Tishman Speyer und der Frankfurter Taunusturm zeigen: Wenn Entwickler wieder beginnen, Wolkenkratzer ins Risiko zu bauen, ist die Krise vorbei. Ökologisch sinnvoller als der Neubau eines Hochhauses mit Green-Building-Zertifikat wäre es aber, eine der zahlreichen in die Jahre gekommenen Frankfurter Bestandsimmobilien aufzumöbeln. Auch damit lassen sich Mieter gewinnen. Selbst während der Finanzkrise hat sich Tishman Speyers Opernturm hervorragend vermietet und auch verkauft. Das zeigt den wiedererwachten Optimismus der Branche. Die meisten Mietinteressenten stürzen sich immer noch auf die großen Neubauprojekte. Dabei kann ein Abriss und Neubau vor dem Hintergrund des Green-Building-Trends nie so grün sein wie die Revitalisierung eines Bestandsgebäudes. Doch es findet langsam ein Umdenken statt. Immobilienfirmen und Projektentwickler hauchen alten Gebäuden wie dem Frankfurter Poseidon und dem T11 wieder neues Leben ein und die Zahl der Mietinteressenten steigt wieder. Setzt sich dieser Trend fort, könnte irgendwann die Bestandsrevitalisierung dem Neubau im Prestige den Rang ablaufen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. In Frankfurt bedeutet fast jeder Büroneubau Leerstand an anderer Stelle, denn Zuzüge von außen sind in der Stadt eine Seltenheit. Immobilien Zeitung, 27.Januar 2011
Hartnäckiger Leerstand auf dem Büromarkt Vorsichtiger Optimismus im Vermietungsgeschäft, von Entspannung kann aber noch keine Rede sein. Die Neuanmietung von Büroflächen hat im zurückliegenden Halbjahr spürbar zugenommen. Nach einer zunächst zähen Entwicklung nach dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Unternehmen auch im großflächigen Bereich wieder entscheidungsfreudiger, es wird auch wieder gezielt gesucht. Die Zunahme des Flächenumsatzes über das Gesamtjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr beträgt nach Angaben des Maklerverbundes Deutsche Immobilien Partner (DIP), dessen Analyse 14 Standorte umfasst, 12 Prozent. Das Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL), welches sich in seiner Analyse auf die sechs wichtigsten deutschen Standorte fokussiert, beziffert den Zuwachs sogar auf 26 Prozent. Laut Colliers-Chef Andreas Trumpp ist ein mindestens etwa sechs bis neun Monate dauernder Zeitversatz zwischen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und den Effekten auf den Bürovermietungsmärkten zu beobachten. Allerdings lassen sich potenzielle Büromieter deutlich mehr Zeit als früher in ihrer Entscheidungsfindung. Dabei wird mehr Wert auf das Preis-Leistungs-Verhältnis gelegt. Bei Bestandsmietern wird häufiger die Zufriedenheit abgefragt, Gespräche über eine Verlängerung werden teilweise schon zwei Jahre vor dem Auslaufen des alten Vertrages aufgenommen. Bei neuen Verträgen fallen die Zugeständnisse längst nicht mehr so üppig aus, wie noch auf dem Tiefpunkt des Mietmarktes im Jahr 2009. Zwar scheint es mit den Bürovermietungen wieder Aufwärts zu gehen und die Nachfrage hat sich stabilisiert, aber es gibt immer noch eine deutliche Zunahme an Leerstand von Büroflächen, welcher weiterhin in Frankfurt am höchsten ist. Das führt dazu, dass auch im neuen Jahr potentielle Mieter am längeren Hebel sitzen. „Das Gesamtangebot an kurzfristig verfügbaren Flächen wird - ungeachtet reduzierter Fertigstellungsvolumina bei gleichzeitig anziehenden Flächenumsätzen - nicht markant sinken, sondern auf hohem Niveau weigehend stabil bleiben", heißt es im DIP-Marktbericht. Dabei wird - auch auf Grund der weiter abnehmenden Bautätigkeit - ein Anstieg der Vermietungsleistungen von 10 Prozent für realistisch angesehen, welcher sich aber in erster Linie bei moderneren Bürogebäuden in besseren Lagen auswirken wird. Also trotz noch bestehender Restrisiken ein durchaus erfreulicher Ausblick auf 2011. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Januar 2011
Schreibtisch im Wandel Das Büro der Zukunft besteht aus Lounges und Denkerzellen, ökologisch korrekten Möbeln und unsichtbarer Technik. Das waren die Trends auf der Einrichtungsmesse Orgatec. Raum ist Geld - rund 80 Prozent der Kosten sind Löhne und Gehälter, aber schon an zweiter Stelle stehen mit 15 Prozent die Ausgaben für Arbeitsplätze. Laut einer Untersuchung des Büroforums ist jeder zweite Büro-Arbeitsplatz in deutschen Unternehmen überflüssig, da im Schnitt die Hälfte der Mitarbeiter krank, im Urlaub oder auf Geschäftsreise ist. Auch das übliche Großraumbüro steht in der Kritik, da ein hoher Geräuschpegel die Konzentration stark beeinträchtigt und damit die Fehlerhäufigkeit um 10 bis 15 Prozent steigt. Der Trend der Büroplanung geht deshalb zu einem Mix aus Denkerzellen und Open-Space-Arealen. Viele moderne Office-Einrichtungen sind auch umweltfreundlich: Möbel aus Rohholz mit wasserlöslichen Leimen oder aus 100 Prozent recycelten Holzspänen und Wollfilz. Aber auch bei den Kunststoffen werden recycelte und recycelbare Materialien verwendet. Öko wird in Zukunft Standard sein, sagen Experten. Technik dagegen wird unsichtbar: Monitore verschwinden in den Büromöbeln, Mikrofone sind im Konferenztisch eingebaut, Glasplatten entpuppen sich als Multimedia-Touchscreens. Aber Ökologie hilft auch zu sparen: Philips verspricht für eine seiner Deckenleuchten eine besonders lange Betriebsdauer. Gut, wenn der Naturschutz auch kühl rechnende Ökonomen überzeugt. Frankfurter Rundschau, 20.November2010
Das Großraumbüro ist noch zu retten Auch in Großraumbüros von Bestandsimmobilien kann man gegen die störende Geräuschkulisse noch viel tun. Durch eine Optimierung der Raumakustik können die Konzentrationsfähigkeit
|